Die Neunziger füllen 2026 wieder die großen Hallen

Das Jahr 2026 bringt die 90er zurück auf die Bühne – mit Konzerten, die das Jahrzehnt musikalisch feiern und viele Fans anziehen.

Zehn Acts der VIVA-Jahre in Köln, Roxette open air in Bonn. Das Konzertjahr 2026 verschiebt sich weg von den Megashows und hin zur mittleren Hallengröße.

Am 26. September 2026 öffnet die Lanxess-Arena in Köln schon um 15 Uhr. Beginn ist um 17 Uhr, danach läuft das Programm neun Stunden. Auf der Bühne stehen Eiffel 65, 2 Unlimited, Dr. Alban, Corona, Mr. President, East 17 und Rednex, durch den Abend führen T-Seven, früher Leadsängerin von Mr. President, und der Komiker Matze Knop.

Es ist die vierte Ausgabe dieses Formats an diesem Ort. Nostalgieabende dieser Machart galten lange als Nebengeschäft der Konzertbranche. Inzwischen füllen sie Häuser, die vor zehn Jahren internationalen Tourneen vorbehalten waren.

Liveshows mit 90er-Stars sind im Kommen.
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Die Lanxess-Arena hat den Olympiapark überholt

Die Halle in Köln-Deutz steht seit Kurzem an der Spitze der deutschen Konzertlandschaft. Nach dem Report zum Konzertjahr 2025 der GEMA, dessen Auswertung auf dem Datenstand vom 15. Juli 2026 beruht, kamen 1,31 Millionen Besucher zu Konzerten in der Lanxess-Arena. Damit verdrängt sie den Münchner Olympiapark von Platz eins. Im Programm des Jahres standen unter anderem Katy Perry, Sting, Billie Eilish, Nina Chuba und Andrea Berg.

Bei den Städten führt weiterhin Berlin. Köln rückte im Besucherranking allerdings von Platz vier auf Platz drei vor, weil dort besonders viele große Veranstaltungen stattfanden.

Derselbe Report hält einen zweiten Befund fest. 2025 fanden in Deutschland erstmals seit den pandemiebedingten Einbrüchen wieder mehr Konzerte statt als 2019. Auch die Besucherzahl lag darüber.

Der Preis hängt am Kaufzeitpunkt, nicht an der Nachfrage

Für die Kölner Show weist die Veranstaltungsseite der Arena am 30. Juli 2026 einen Einstiegspreis von 34,55 Euro aus. Veranstalter media.one staffelt die Preise nach Kaufzeitpunkt und schreibt das auf der Seite auch hin. Damit richtet sich der Preis für Konzert-Tickets in diesem Segment nach dem Kalender und nicht nach der tagesaktuellen Nachfrage. Beim Auftritt von Roxette am 3. August 2026 auf dem Kunst!Rasen in Bonn kostet der günstigste Stehplatz zum selben Stichtag 80,90 Euro. Ein Abend mit einer Band kommt dort also teurer als neun Stunden mit zehn.

Von Preisen, die sich mit der Nachfrage bewegen, ist auf der Kölner Veranstaltungsseite keine Rede. Bei internationalen Stadiontourneen gehört dieses Modell inzwischen zum Standard.

Roxette treten seit dem Tod von Marie Fredriksson im Jahr 2019 mit Per Gessle und der schwedischen Sängerin Lena Philipsson auf. Sechs Hallenkonzerte in Deutschland spielte diese Besetzung im November 2025. Der Sommer 2026 läuft unter freiem Himmel, Einlass in Bonn ist um 18.30 Uhr.

Das Segment zwischen 5.000 und 15.000 Besuchern wächst am stärksten

Der GEMA-Report enthält eine Angabe, die dem Bild vom durchgängigen Boom der Megashows widerspricht. Der größte Zuwachs entfiel 2025 nicht auf Konzerte mit mehr als 50.000 Besuchern, sondern auf das Segment zwischen 5.000 und 15.000. Genau in dieser Größenordnung spielen die Formate, die mit dem Repertoire der Neunziger und frühen Zweitausender arbeiten.

Vier Termine aus dem laufenden Jahr, jeweils nach Angaben der Veranstaltungsorte:

  • August 2026, Kunst!Rasen Bonn, Roxette
  • September 2026, Lanxess-Arena Köln, 90s Super Show
  • November 2026, Europa-Park Arena in Rust, 80er und 90er Mega Festival mit Nik Kershaw, den Weather Girls, Rednex und Bellini
  • November 2026, Olympiahalle München, 90s Super Show

Wer die VIVA-Jahre als Jugendlicher erlebt hat, ist heute Mitte vierzig. Auf zehn Acts und neun Stunden verteilt, bleibt in Köln kein Platz für den langen Auftritt eines Headliners am Ende des Abends. Zwischen den Sets legt DJ Judge auf.

Die Münchner Ausgabe hat ein anderes Aufgebot als die Kölner. Angekündigt sind dort die Vengaboys, Loona, Oli.P, Caught in the Act, Whigfield und Fun Factory, moderiert von Mola Adebisi, früher bei VIVA, und Sonya Kraus. Solche Listen sind nicht in Stein gemeißelt. Beim Berliner Open Air in den Gärten der Welt sprang Culture Beat im Juli 2026 kurzfristig für Loona ein, die Änderung stand einen Tag vor der Show auf der Veranstaltungsseite.

Die Produktionskosten steigen schneller als die Ticketpreise

Der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft, die Interessenvertretung der Veranstalter, hat Ende Mai 2026 eine Rechnung aufgemacht. Die Produktionskosten seien seit Ende der Pandemie um rund 50 Prozent gestiegen, die Ticketpreise im Branchendurchschnitt dagegen nur um rund 30 Prozent, sagt Geschäftsführer Johannes Everke. Man wolle die Tickets nicht noch teurer machen, das setze die Margen bei großen wie kleinen Veranstaltungen unter Druck.

Ein Abend wie der in Köln verteilt eine einzige Produktion auf zehn Namen. Ob diese Rechnung für den Veranstalter besser aufgeht als eine klassische Tournee, veröffentlicht niemand in der Branche.

Das Highfield am Störmthaler See hört nach dem 16. August auf

Am 22. Juli 2026 teilten FKP Scorpio und Semmel Concerts mit, dass das Highfield bei Großpösna in seiner bisherigen Form endet. Die Ausgabe vom 13. bis 16. August 2026 ist die vorerst letzte, für 2027 kündigen die Veranstalter eine Pause an. Als Grund nennen sie die gestiegenen Produktionskosten. Semmel-Geschäftsführer Dieter Semmelmann spricht von einem Kapitel, das geschlossen werde, und von der Hoffnung, in den kommenden Monaten ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept zu entwickeln.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Lukas Kärner. Lukas Kärner ist freischaffender Redakteur für Lifestyle-Themen.